Reisetagebuch 31. Mai 2018: der erste Tag in Astana

Info: Sofern nicht anders angegeben, beziehen sich alle Uhrzeit-Angaben auf die Ortszeit in Kasachstan. Die mitteleuropäische Sommerzeit liegt 4 Stunden zurück.

Schon Morgen?

Bis 10 Uhr sollte es im Hotel Frühstück geben. Durch den straffen Zeitplan bei der Anreise war meine letzte Mahlzeit eine Weile her. Deswegen wollte ich das Frühstück nicht versäumen und stellte mir einen Wecker. Pablo hatte sich entschieden, auf jeden Fall auszuschlafen und hatte noch in der Nacht eine kleine Mahlzeit. Ich schätze, das war die bessere Entscheidung.

Ich war gegen 4 Uhr ins Bett gegangen und stand um 9:15 Uhr auf. Meine innere Uhr stand aber noch auf deutscher Zeit, also auf 5:15 Uhr. Alles war durcheinander, darum kam ich nur schlecht aus dem Bett und fühlte mich wie ein Zombie.

Ein Blick aus dem Fenster zeigte mir die Nachbarschaft des Hotels erstmals im Hellen. Ich sah Ungewohntes: Aus dem achten Stock blickte ich auf kleine Grundstücke, auf denen teilweise ziemlich viel Gerümpel zu sehen war. Oftmals standen aber sehr gepflegt wirkende Häuser dabei. Ich habe das Gefühl, hier einen Art von Umbruch zu sehen. Hintergründe weiß ich aber dazu nicht.

Nach einer Dusche und mit frischen Klamotten fühlte ich mich wie ein sauberer Zombie. Besser sollte es zunächst nicht werden. Ich schlurfte gegen 9:40 Uhr in den Frühstücksraum und aß mit einer seltsamen Mischung aus Appetit und Appetitlosigkeit ein paar Kleinigkeiten und trank zwei Kaffee. Zurück in meinem Zimmer suchte ich im Internet nach Supermärkten in der Umgebung. Ich merkte, dass ich im Begriff war, wieder einzudösen und schloss die Augen.

Etappenweise schlief ich bis etwa 12:30 Uhr und fühlte mich dann ein ganzes Stück besser. Kurze Zeit später meldete sich auch Pablo bei mir.

Besuch im Supermarkt

Wir verabredeten uns für einen Besuch beim Supermarkt. Wir wollten ein paar Kleinigkeiten einkaufen und uns um SIM-Karten kümmern. Mich wunderte, dass das im Halbdösen ergoogelte Wissen nach dem Schlaf noch da war, aber umso besser. Wir taperten los und fanden den Supermarkt sofort. Mir ging es hauptsächlich um Getränke, Pablo wollte auch noch nach einer Jacke suchen. Den Bewertungen im Internet zufolge sollte es in der oberen Etage Klamotten geben, aber wir fanden dort hauptsächlich Haushaltswaren, Getränke und Knabberzeug. Mit den beiden letzteren deckten wir uns etwas ein.

Die Bezahlung war mit Kreditkarte überhaupt kein Problem. Im Kassenbereich standen aber auch verschiedene Geldautomaten, bei denen wir uns noch mit Bargeld eindeckten. Wie sich herausstellte, würden wir schnell Verwendung dafür haben.

Internet!

Ich hatte Pläne während dieser Reise. Geplant waren der Podcast, Blogeinträge, Updates bei Twitter und vielleicht auch mal ein Video. All das hat mit Internet zu tun.

Mehrere Möglichkeiten gab es dafür:

Ich könnte meinen vorhandenen Vertrag nutzen. Aber da ich mich außerhalb des EU-Auslandes bewege, wäre das Datenvolumen extrem teuer gewesen: 2,30 € für 50kB. Das kam nicht in Frage.

Man kann auch über spezielle Anbieter in Deutschland Karten kaufen, die dann vor Reiseantritt geliefert werden und dann in Kasachstan zum Einsatz kommen. Das ist preiswerter als die Nutzung des heimischen Vertrags, aber deutlich teurer als die dritte Möglichkeit, die wir dann gewählt haben.

Ich hatte mich im Vorfeld entschieden, in Kasachstan eine Prepaid-Karte zu kaufen. Dort sollte es eine ordentliches Datenvolumen für schmales Geld geben.

Neben den Geldautomaten war auch ein Stand für Telefonzubehör im Kassenbereich des Supermarkts aufgebaut. Hier gab es SIM-Karten von eine ganze Reihe von Netzanbietern. Pablo wählte eine von Beeline, ich eine von Tele2. So würden wir um uns bei unterschiedlicher Abdeckung gegenseitig weiterhelfen können. Der Verkäufer, ein junger Russe, half uns bei der Einrichtung und Freischaltung der Karten. Über einen Automaten luden wir dann direkt vor Ort Guthaben auf.

In meinem Fall kosteten 15 GB Datenvolumen umgerechnet etwa 8,60 Euro. Pablo zahlte für 12 GB etwas weniger, erhielt aber nochmal 12 GB als Bonus dazu. Somit waren wir erst mal gut versorgt und hatten auch außerhalb des Hotel-WLANs wieder Internet-Zugriff.

Podcast

Inzwischen war es mitten am Nachmittag und wir nutzten die Gelegenheit für unsere erste gemeinsame Podcast-Aufnahme. Das war auch für uns eine neue Erfahrung, aber sie machte Spaß und klappte gut. Über das gute Hotel-WLAN war sie dann auch schnell veröffentlicht.

Spaziergang am Abend

Nach einem leckeren Abendessen im Hotel-Restaurant machten wir einen Spaziergang in der Umgebung und unterhielten uns. In der Abenddämmerung gingen wir in aller Ruhe zur Hazrat-Sultan-Moschee. Das ist die Moschee, die wir aus unseren Hotelzimmern sehen konnten und die in der Dunkelheit am Vorabend schön beleuchtet gewesen war.

Je näher wir der Moschee kamen, umso deutlicher wurde ihre enorme Größe. An diesem Abend wusste ich noch nbevuticht, dass dieses die größte Moschee Zentralasiens ist. Auch konnte ich noch nicht wissen, dass ich diese Moschee am 2. Juni auch von innen sehen würde. Nun bestaunte ich einfach nur das große Gebäude von außen. Mir gefiel es sehr.

Inzwischen war es richtig dunkel geworden. Wir erreichten einen Platz vor der Pyramide des Friedens und der Eintracht. Wenn wir zur schönen Pyramide blickten, sahen wir an den Hochhäusern links und rechts Gebäudebeleuchtungen, die farbenfrohe Animationen abspielten, Muster und Laufschriften. Wenn wir uns umdrehten, sahen wir die Nationalen Universität der Künste. Auch hier liefen rundherum Animationen, meist in blau.

So seltsam sich das nun lesen mag: In diesem Moment fühlte sich einfach alles irgendwie richtig an. Es war eine angenehme und warme Luft, ich fühlte mich nach dem verschlafenen Morgen trotz des späten Abends ziemlich wohl und nur mäßig müde (wahrscheinlich eine Folge des Jetlags) und um mich herum sah ich spannende und schöne Dinge. Aus Richtung der Moschee erklang der Ruf des Muezzins. Und mir wurde klar: Nach Monaten des Hoffens, Bangens und Planens war ich in Astana! Ich war in Kasachstan! Ich würde in wenigen Tagen einen Raketenstart erleben! Was für ein Moment…

Mir fiel ein, dass in der Nähe der Pyramide ein Geocache liegen sollte. Es waren nur noch wenige Leute unterwegs, es war dunkel und ich wusste ungefähr, wo ich suchen musste. Pablo und ich steuerten rechts um die Pyramide herum und sahen dann einen Teil der Skyline von Astana.

Sofort war der Geocache vergessen. Wir gingen die leichte Anhöhe hinauf und schauten von der Rückseite der Rückseite der Pyramide in Richtung des Präsidentenpalasts. Ich wusste gar nicht, wohin ich zuerst schauen sollte.

Viele Gebäude waren bunt beleuchtet und wir konnten weitere Farbspiele sehen. Bei einigen Bogenbrücken liefen Lichtspiele über die Bögen und die senkrechten Träger, ich konnte mich kaum satt sehen.

Minutenlang standen wir hier und versuchten, die Szenerie auch fotografisch festzuhalten. Keines der Bilder gibt meinen Eindruck auch nur im Ansatz wieder.

Schließlich wandten wir uns um und gingen zum Geocache… nur um festzustellen, dass wir keinen Stift dabei hatten. Ich fotografierte das Logbuch für alle Fälle, danach gingen wir langsam zum Hotel zurück.

Wir kamen an einer kleinen Mischung aus Kiosk und Mini-Supermarkt vorbei. Es war recht viel Betrieb hier, vor der Einfahrt saß eine Katze sehr entspannt da und ließ sich durch nichts stören. Als ein junger Mann den Laden verließ, sprang sie auf, miaute ihn einige Mal an und ging dann mit ihm die Straße herunter, bis sie außer Sicht waren Die beiden gehörten offenbar irgendwie zusammen.

Unser Hotel war nun nahe dran und damit war der erste schöne Abend in Astana vorbei.

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